06.10.2025
9. Wettbewerberreport Eisenbahnen
SPNV am Limit, Wettbewerb auf der Kippe
Der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Deutschland steht unter massivem Druck. Eisenbahnunternehmen beklagen strukturelle Ungleichgewichte, die faire Wettbewerbsbedingungen zunehmend unmöglich machen. Wie aus dem 9. Wettbewerber-Report Eisenbahnen 2025/2026 von mofair e.V.und DIE GÜTERBAHNEN hervorgeht, sind die Ursachen vielfältig – und systemisch.
Das Papier legt dar, dass der Wettbewerb im SPNV an einem Kipppunkt angelangt ist. An Ausschreibungen beteiligen sich demnach kaum neue Anbieter. Nur noch die aktuellen Betreiber seien in der Lage, die Vielzahl an Betriebsrisiken realistisch einzuschätzen und in ihre Angebote einzupreisen, heißt es im Report. Das Wettbewerbsmodell „um den Markt“ – also das Vergabeverfahren durch Ausschreibung – brauche angesichts stark veränderter Rahmenbedingungen dringend eine „Auffrischung“.
Als Betreiberin von sieben Regionalzuglinien in NRW bestätigt National Express diese Einschätzung. Auch unsere operative Realität ist von infrastrukturellen Störungen, Planungsunsicherheit und wirtschaftlicher Unkalkulierbarkeit geprägt.
Infrastruktur: Rückgrat der Schiene bricht weg
Der Wettbewerberreport zeichnet ein alarmierendes Bild vom Zustand der Schieneninfrastruktur: Stellwerksausfälle, fehlende Baustellenkoordination und mangelhafte Bauinformation durch die DB InfraGO führen zu Zugausfällen in Größenordnungen, die für Fahrgäste nicht nachvollziehbar sind. Allein im Jahr 2022 wurden aufgrund von 4.100 Fällen mit unbesetzten Stellwerken 7.000 Züge nicht gefahren sowie über 400.000 Verspätungsminuten gesammelt. Besonders gravierend: Die Bundesnetzagentur, eigentlich zuständig für eine diskriminierungsfreie Netzvergabe, könne laut Bericht keine wirksamen Eingriffe vornehmen – etwa, wenn im Rahmen der sogenannten „Generalsanierung“ Trassen massenhaft abgelehnt oder verspätet vergeben werden.
Dass EVU dennoch für ausfallende Leistungen haftbar gemacht werden, obwohl sie keinen Einfluss auf die Netzverfügbarkeit haben, sei systemisch nicht mehr haltbar. Der Wettbewerberreport stellt fest, dass die geltenden Verkehrsverträge diese veränderten Bedingungen nicht mehr abbilden. Sie stammen aus einer Zeit mit völlig anderen Belastungen und Voraussetzungen.
Kosten steigen, Spielräume schrumpfen
Auch die wirtschaftliche Grundlage des SPNV wird laut Wettbewerberreport zunehmend ausgehöhlt. Die Trassenpreise (ein wesentlicher Kostenfaktor für EVU) seien in den vergangenen Jahren im zweistelligen Prozentbereich gestiegen, während die staatliche Trassenpreisförderung gleichzeitig reduziert wurde. Die Autor*innen des Reports warnen: Das Trassenpreissystem sei „zu einer der Hauptursachen geworden“, weshalb sich Verkehrsverlagerungen von der Schiene zurück auf die Straße vollziehen – mit negativen Folgen für Klimaziele und Verkehrswende.
Dabei sei die Preisgestaltung selbst nicht leistungsbasiert: Laut Report dienen rund 80 Prozent der Trassenpreise allein der Deckung von Verwaltungskosten und der Erwirtschaftung von Gewinnen. Eine im europäischen Vergleich einzigartige Vorgehensweise. Gleichzeitig würden EVU bis zuletzt im Dunkeln tappen, was ihre künftigen Trassenkosten betrifft. Eine verlässliche Planung langfristiger Verkehrsangebote werde so unmöglich.
Was insbesondere fehle, sei eine übergreifende Finanzierungsarchitektur. „Es ist Geld im System – aber es gibt kein System fürs Geld“, resümieren die Verfasser*innen des Reports. Ohne verlässliche, transparente und faire Rahmenbedingungen bleibe der Wettbewerb auf der Strecke – und mit ihm die Fahrgäste.
Dr. Michael Hetzer (CEO National Express Rail GmbH) fordert:
Es ist hinreichend belegt, dass Infrastrukturprobleme der Hauptgrund für die Qualitätseinbußen im SPNV sind. Wer systemische Ursachen anerkennt, sollte auch bereit sein, zur Lösung systemische Konsequenzen zu ziehen.
Verkehrsverträge müssen neu gedacht werden
Der Wettbewerberreport verweist auf eine Reihe konkreter Reformansätze, um die Schieflage zu korrigieren. Der Verband mofair und die Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenpersonennahverkehr (BSN) arbeiteten inzwischen an einem gemeinsamen „Werkzeugkasten“ mit Best Practices für Ausschreibungen und Verkehrsverträge.
Dazu zählt etwa die Einführung sachgerechter Indizes für Betriebskosten, insbesondere Bahnstrom und Personal. Auch Vertragsrevisionsklauseln müssten ermöglicht werden, um auf dynamische Entwicklungen wie Fachkräftemangel, Tarifsteigerungen und Baugeschehen reagieren zu können.
Zudem müssten Berichts- und Dokumentationspflichten reduziert und digitalisiert werden, um sowohl den Aufwand für Aufgabenträger als auch für EVU zu begrenzen. Besonders dringlich sei die Frage, wie künftig mit Infrastrukturausfällen in Verkehrsverträgen umzugehen ist. EVU dürften nicht länger für Leistungsausfälle haften, die aus Ursachen entstehen, die sie weder beeinflussen noch vorhersehen können.
Politik muss Rahmenbedingungen grundlegend überarbeiten
Die Notwendigkeit struktureller Reformen wird inzwischen auch von politischen Entscheidungsträgern anerkannt. Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg hätten laut Wettbewerberreport bereits formale Festlegungen zur Reform des SPNV getroffen. In NRW dürfte damit die von NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer vorangetriebene Strukturreform der SPNV-Aufgabenträger gemeint sein. Die NRW-Landesregierung hat bereits per Kabinettsbeschluss das Gesetz vorgelegt, wonach eine landesweite SPNV-Gesellschaft („Schiene.NRW“) geschaffen werden soll.
Fazit: Zukunftsfähiger SPNV braucht faire Verträge und stabile Infrastruktur
National Express unterstützt die im Wettbewerberreport vorgestellten Reformansätze:
- die Neujustierung der Verkehrsverträge, mit fairer Risikoaufteilung und flexiblen Revisionsmechanismen,
- eine Trassenpreisreform, die Qualität belohnt statt Gewinne garantiert,
- eine verbindliche Baustellenkoordination, die Netzverfügbarkeit absichert,
- sowie eine starke Rolle der Aufgabenträger und eine konsequent durchgreifende Bundesnetzagentur.
Nur unter diesen Bedingungen kann der SPNV seine gesellschaftliche Aufgabe erfüllen – als Rückgrat klimafreundlicher Mobilität.
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